Dunkel Hell

Garmisch-Partenkirchen – Der Grundstückskauf ist nun offiziell abgeschlossen: Der Markt Garmisch-Partenkirchen hat den sogenannten Zerhoch-Anger in Partenkirchen erworben. In nichtöffentlicher Sitzung gab der Marktgemeinderat am Donnerstagabend mehrheitlich grünes Licht für den Deal. Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) bestätigte den Abschluss am Freitagmorgen und nannte die Eckdaten des Vorhabens, das sie bereits kurz vor Weihnachten angekündigt hatte.

Insgesamt wechseln 23 300 Quadratmeter landwirtschaftlicher Fläche den Besitzer. Die Gemeinde zahlt nach Angaben der Bürgermeisterin rund 7,5 Millionen Euro inklusive Nebenkosten, was einem Quadratmeterpreis von etwa 300 Euro entspricht. Verkäufer ist eine Erbengemeinschaft, die jedoch rund 4000 Quadratmeter behält. Diese Fläche grenzt an die Containeranlage der Gröbenschule. Eine Vermessung steht noch aus und soll nach Einschätzung eines beteiligten Notars innerhalb der nächsten vier bis sechs Wochen erfolgen.

Mit dem Kauf reagiert die Gemeinde auf den angespannten Wohnungsmarkt. Auf dem Areal soll künftig Wohnraum entstehen – voraussichtlich in größerem Umfang. „Es hat sich über Jahre vorbereitet“, sagte Koch und sprach von einem bedeutenden Schritt in ihrer bisherigen Amtszeit. Zugleich räumte sie ein, dass zuletzt im Ort viel über mögliche Grundstückskäufe spekuliert worden sei.

Zerhoch-Anger: Planungen noch am Anfang

Das Gelände liegt zwischen dem alten Sägewerk und der Partnach, die Erschließung soll über die Schornstraße erfolgen. Im Süden befinden sich derzeit die Container der Gröbenschule, im Norden grenzt ein Sportplatz an, der auch von Schulklassen genutzt wird. Nicht Teil des Kaufs sind das Norma-Gelände, das Sägewerk sowie die alte Obermühle.

Konkrete Bebauungspläne gibt es bislang nicht. Vieles befinde sich noch im Ideenstadium, betonte Koch. Fest stehe jedoch, dass ein Sportplatz erhalten bleiben solle, auch wenn sich dessen Ausrichtung verändern könnte.

Kein Investor vorgesehen

Einen Investor möchte die Bürgermeisterin ausdrücklich nicht beteiligen. Gleichzeitig sei der Gemeinde bewusst, dass ein Projekt dieser Größenordnung kaum allein aus der Verwaltung heraus zu stemmen sei. „Es gibt fachkundige Menschen in Finanzierung und Planung, die bereits im Hintergrund eingebunden waren“, erklärte Koch. Diese wolle sie in absehbarer Zeit an einen Tisch holen.

Finanzierung als große Herausforderung

Unstrittig ist: Die Umsetzung des Projekts wird ein Kraftakt in Millionenhöhe. Koch verwies in diesem Zusammenhang auf ein Sondervermögen der Aschenbrenner-Stiftung in Höhe von 6,45 Millionen Euro, das aus dem Verkauf eines Hotels in Düsseldorf stammt. Ob dieses Geld für den Wohnungsbau eingesetzt wird, müsse politisch diskutiert werden. „Das ist ein mögliches Modell“, so die Bürgermeisterin.

Auch die Verkäufer hätten Wert auf einen sozial ausgerichteten Wohnbau gelegt, der der Bevölkerung vor Ort zugutekommt. Ferienwohnungen oder Immobilien für Zweitwohnsitze seien nicht Ziel des Projekts. Zunächst müsse der tatsächliche Bedarf ermittelt werden, auf dessen Grundlage sich dann das Konzept entwickeln lasse.

Eigenes Quartier denkbar

Vorstellbar sei die Entwicklung eines eigenständigen Quartiers mit hoher Wohnqualität, Grünflächen, guter Belichtung und Ausblick, sagte Koch. Auch eine Kinderbetreuungseinrichtung könne Teil des Konzepts sein. Der vergleichsweise niedrige Kaufpreis ermögliche es, Flächen später im Rahmen eines Erbpachtmodells mit günstigen Konditionen weiterzugeben. Zum Vergleich: Für Bauland im Umfeld würden derzeit Quadratmeterpreise von rund 1850 Euro aufgerufen.

Förderprogramme sowie der sogenannte „Bauturbo“, der schnellere und vereinfachte Verfahren ermöglichen soll, könnten zusätzlich helfen. Zunächst müsse allerdings Baurecht geschaffen werden, da es sich um einen sogenannten Außenbereich im Innenbereich handelt. Eine Machbarkeitsstudie, eine Strukturanalyse und ein erstes Konzept liegen bereits vor.

Mehrheitliche Zustimmung – zwei Gegenstimmen

Im Marktgemeinderat fand der Kauf überwiegend Zustimmung. Grünen-Fraktionsvorsitzender Dr. Stephan Thiel bezeichnete es als „absolut positiv“, dass die Kommune selbst über Grund und Boden verfüge. Daniel Schimmer (Freie Wähler) sprach von einem „tollen Projekt für den gesamten Markt“, mahnte jedoch an, dass Besitz allein noch keine Lösung sei. Der Zerhoch-Anger sei eine der letzten großen Chancen, im Ort Wohnraum zu schaffen.

In der namentlichen Abstimmung stimmten jedoch zwei Gemeinderäte gegen den Deal: Lilian Edenhofer (parteifrei) und Dr. Anton Hofer (Garmisch+Partenkirchen miteinander). Hofer erklärte im Nachgang, er habe „mit einigen Punkten des Vertrags Probleme“.

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