Farchant – Das seit mehreren Wochen geltende Durchfahrts- und Abfahrtsverbot bei Stau bringt in Farchant bislang nur begrenzte Entlastung. Vor allem an stark frequentierten Tagen lotsen Navigationssysteme Autofahrer weiterhin durch den Ort. Zudem fehlen der Polizei die personellen Kapazitäten für regelmäßige Kontrollen.
Seit rund vier Wochen greift die von der Gemeinde erlassene Regelung an Wochenenden und Feiertagen. Ziel ist es, den Ausweichverkehr bei Stau auf der B2 aus dem Ort herauszuhalten. Bürgermeister Christian Hornsteiner (CSU) zieht eine erste, gemischte Bilanz. Sein Fazit falle „zwiegespalten“ aus.
Gemischte Erfahrungen nach vier Wochen
Dass das Durchfahrtsverbot den Verkehr nicht vollständig zum Erliegen bringt, sei von Beginn an klar gewesen, betont Hornsteiner. „Niemand hat erwartet, dass damit alle Stauprobleme gelöst sind.“ Positiv sei jedoch, dass es selbst an verkehrsreichen Tagen nicht zu chaotischen Zuständen gekommen sei. Vor allem Nebenstraßen seien deutlich weniger belastet gewesen als in früheren vergleichbaren Situationen.
Auch bei der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen sieht man zumindest einen leichten Effekt. „Wenn sich der Verkehr ein wenig reduziert hat, dann hat die Maßnahme schon etwas gebracht“, sagt Florian Thoma, Sachbearbeiter Verkehr. Allerdings: Kontrollen der von der B2 abfahrenden Fahrzeuge fanden bislang nicht statt.
Navis unterlaufen die Maßnahme
An Tagen mit besonders hohem Verkehrsaufkommen stößt das Durchfahrtsverbot jedoch schnell an seine Grenzen. Vor allem während der Weihnachtsferien und an Wochenenden staute sich der Verkehr erneut auf der Farchanter Hauptstraße. Die aktivierte Beschilderung an der Bundesstraße allein reiche nicht aus, kritisiert Hornsteiner.
Viele Verkehrsteilnehmer folgen weiterhin ihrem Navigationsgerät. Dieses führt Autofahrer von der B2 über die Ortsverbindungsstraße zwischen Oberau und Farchant. „Bei Blockabfertigung schickt Google den Verkehr weiter durch Farchant, weil es laut Navi ein paar Minuten schneller ist“, erklärt Thoma.
Personalmangel erschwert Kontrollen
Grundsätzlich sieht die Polizei das Durchfahrtsverbot als einen weiteren Versuch, die bekannten Verkehrsprobleme einzudämmen. Ob es die richtige Lösung sei, bleibe jedoch offen. Kontrollen seien zudem schwierig umzusetzen. Autofahrer könnten zahlreiche Gründe anführen, warum sie berechtigt in den Ort fahren – etwa wegen eines Tankstellenbesuchs, eines Skilifts oder eines Wirtshausbesuchs.
Hinzu kommt: Nach einer Kontrolle müssten Fahrzeuge wieder zurück nach Oberau geschickt werden, um erneut in Richtung Stau zu fahren. „Das ist wenig sinnvoll“, so Thoma. Entscheidend sei außerdem die Personalsituation. „Keiner kann sich dort dauerhaft über mehrere Stunden hinstellen“, betont der Verkehrsexperte.
ADAC fordert langfristige Lösungen
Der ADAC Südbayern hatte bereits vor Einführung der Maßnahme darauf hingewiesen, dass Durchfahrtssperren die Verkehrsprobleme langfristig nicht lösen können. Kurzfristig seien sie jedoch ein legitimes Mittel, um die Belastung für die Anwohner zu verringern.
Für eine nachhaltige Entlastung müsse die Verkehrsführung in der gesamten Region, insbesondere Richtung Österreich, grundlegend überdacht werden, so die Einschätzung des Automobilclubs.
Durchfahrtsverbot bleibt vorerst bestehen
Ein zentraler Kritikpunkt bleibt, dass das Durchfahrtsverbot bislang kaum kontrolliert wird. Lediglich Anfang Januar waren Polizeibeamte vor Ort, allerdings im Zusammenhang mit einem Verkehrsunfall. Trotz aller Schwierigkeiten hält Bürgermeister Hornsteiner an der Maßnahme fest. „Wir werden jede Möglichkeit nutzen, um Verbesserungen zu erreichen“, sagt er.
Das Durchfahrtsverbot soll daher vorerst bestehen bleiben. Es gilt weiterhin von Freitag bis Sonntag sowie an Feiertagen.
