Garmisch-Partenkirchen. Nass, erschöpft und bereits unterkühlt harrte eine junge Wanderin in der Dunkelheit aus, bis Hilfe eintraf. Die Bergwacht Garmisch-Partenkirchen rettete die 21-Jährige am Abend des Ersten Weihnachtsfeiertags bei einem anspruchsvollen nächtlichen Einsatz im Kramergebiet.
Die Frau war nach einem Ausrutscher in ein Bachbett gestürzt und dabei vollständig durchnässt worden – bei winterlichen Temperaturen eine gefährliche Situation. Der Mobilfunkempfang war schlecht, zudem hatte ihr Handy nur noch wenige Prozent Akkuleistung. Acht Einsatzkräfte der Bergwacht sowie die Besatzung eines Polizeihubschraubers waren schließlich an der Rettung beteiligt. Die 21-Jährige aus Winden bei Koblenz wurde unterkühlt, aber unverletzt in ein Klinikum gebracht. Einsatzleiter Tim Bukenberger sprach angesichts der Umstände von „großem Glück“.
Durchnässt bei eisigen Temperaturen – akute Unterkühlungsgefahr
Gegen 18 Uhr ging bei der Integrierten Leitstelle die Meldung ein, dass sich eine Person im Bereich des Stepberggrabens verstiegen habe und nicht mehr weiterkomme. Bei der Rückmeldung erfuhr der Einsatzleiter, dass die Wanderin gestürzt und im Bachbett gelandet sei. „Vollständig durchnässt zu sein, stellt bei diesen Temperaturen eine akute Gefahr dar“, erklärte Bukenberger.
Die Kontaktaufnahme per Mobiltelefon gestaltete sich schwierig, da der Empfang im abgelegenen Gelände eingeschränkt war. Hinzu kam ein nahezu leerer Akku. Eine genaue Positionsbestimmung war zunächst kaum möglich. Entscheidend war schließlich die Übermittlung einer Standortkoordinate über das Ortungssystem what3words, das eine sehr präzise Lokalisierung erlaubt. „Diese Angabe stellte sich später als vollständig korrekt heraus“, so der Einsatzleiter.
Rettung per Winde nach Hubschrauber-Einsatz
Um eine schnelle Bergung zu ermöglichen, versuchte die Leitstelle zunächst, einen nachtflugtauglichen Rettungshubschrauber mit Seilwinde zu alarmieren. Wegen einer geschlossenen Nebeldecke über dem Ort war dies jedoch zunächst nicht möglich. Schließlich übernahm die Polizeihubschrauberstaffel Süd den Einsatz.
Parallel stellte die Bergwacht zwei Teams auf: Eine sechsköpfige Bodengruppe machte sich mit Wärmematerial und Seilausrüstung zu Fuß auf den Weg zur Patientin. Zwei weitere Einsatzkräfte bereiteten sich auf den Luftrettungseinsatz vor. Gegen 21 Uhr traf der Hubschrauber ein. Da ein Anflug auf Garmisch-Partenkirchen nicht möglich war, wurde das Langlaufzentrum Kaltenbrunn als Landeplatz genutzt.
Die Einsatzstelle wurde lokalisiert, die Frau mithilfe eines Rettungsdreiecks per Seilwinde aus dem Bachbett geborgen und nach Kaltenbrunn geflogen, wo der Rettungsdienst die weitere Versorgung übernahm. Anschließend wurden auch die sechs Bergretter der Bodengruppe per Hubschrauber von der Stepbergalm ausgeflogen.
Gegen 22 Uhr konnte der Einsatz erfolgreich abgeschlossen werden.
