In Oberau bei Garmisch-Partenkirchen lädt eine besondere Sammlung von 26 Weihnachtskrippen zu einem stimmungsvollen Spaziergang ein. Hinter dem außergewöhnlichen Weihnachtswerk steht ein Oberauer Metzgermeister, dessen Schaffen den Ort in der Adventszeit prägt.
Oberau – Zur Weihnachtszeit wird der Ort im Landkreis Garmisch-Partenkirchen zum echten Krippendorf. Nicht nur im Krippenmuseum, sondern auch an verschiedenen Stellen im Ort lassen sich die liebevoll gestalteten Kripperl entdecken. Untrennbar verbunden mit dieser Tradition ist ein engagierter Bürger aus Oberau.
Begleitet von Henny Schübel, Kulturführerin und Leiterin des Gemeindearchivs, beginnt der Krippenweg an der Kapelle St. Georg oberhalb des Dorfes. An diesem geschichtsträchtigen Ort befand sich einst eine frühmittelalterliche Burg. Von hier eröffnet sich nicht nur der Blick auf das Estergebirge, sondern auch auf Jahrtausende regionaler Geschichte.
Bereits lange vor Christi Geburt führten Handelswege durch das Loisachtal, später nutzten die Römer die „Via Raetia“. Oberau selbst wird erstmals im 8. Jahrhundert erwähnt. Die Altarplatte der Kapelle stammt noch aus dieser Zeit, während das heutige Gebäude im Jahr 1664 errichtet wurde.
Zurück im Ort führt der Weg über die Alte Dorfstraße und den Schmiedeweg direkt zum Krippenmuseum Oberau. Dort sind insgesamt 26 Weihnachtskrippen ausgestellt – von kleinen, detailreichen Arbeiten bis hin zu einer beeindruckenden Jahreskrippe mit sechs Metern Länge und zwei Metern Breite, die das Leben Jesu Christi in vielen Szenen darstellt.
Alle Krippen stammen aus der Hand von Ludwig Reiser aus Oberau. Der gelernte Metzgermeister begann im Alter von 60 Jahren mit dem Krippenbau und widmete sich diesem Handwerk über mehr als drei Jahrzehnte hinweg. Jede Krippe ist ein Unikat – ob orientalisch, mediterran oder alpenländisch geprägt.
Gefertigt wurden die Werke aus heimischem Holz, Rindenstücken, Wurzeln, Baumpilzen sowie Steinen aus der Loisach und verschiedenen Gebirgsregionen. Besonders außergewöhnlich ist eine über 1000 Jahre alte Wurzel, die Reiser im Murnauer Moos fand und in eine Krippe integrierte. Die Figuren selbst schnitzte er nicht, sondern sammelte sie auf zahlreichen Reisen, vor allem in Italien.
Anreise und Informationen
Anfahrt mit dem Auto:
Parkplatz an der evangelischen Kirche Oberau, Am Kirchbichl 8.
Von München über die A95/B2 Richtung Garmisch-Partenkirchen.
Vor dem Oberauer Tunnel in den Ort abfahren,
dann Richtung Oberammergau (B23) und links zum Parkplatz.
Öffentliche Verkehrsmittel:
Bahnlinie München–Garmisch-Partenkirchen, Ausstieg Oberau.
Durch die Unterführung, über den Schmiedeweg
und links in die Alte Dorfstraße.
Krippenausstellung:
Ab Sonntag, 30. November, bis Ende Januar im Schmiedeweg 3.
Öffnungszeiten: täglich außer Montag von 13 bis 17 Uhr
(nicht an Heiligabend und Silvester).
